Hast Du Dich auch schon mal gefragt, was eigentlich einen guten Projektleiter ausmacht? Im Laufe der Jahre haben sich für mich 10 Punkte als werthaltig herauskristallisiert. Im Artikel zur Blogparade des Projektmagazins waren sie bereits aufgelistet, ohne sie weiter zu erläutern. Das möchte ich wie versprochen mit dem heutigen Artikel nachholen. Klar, es lässt sich sicher trefflich über diese 10 Punkte diskutieren und ich hoffe, wir tun das auch. Es sind die Punkte, die mich voran gebracht haben und ich möchte sie mit Dir teilen. Und wenn Du willst, diskutieren wir darüber.


1. Sei authentisch
 
Dieser Punkt steht bei mir ganz oben. Warum tut er das? Weil es für mich die Grundlage eines jeden guten Projektleiters ist. Du kannst es nicht jedem recht machen, also versuche es erst gar nicht. Mir war das anfangs nicht bewusst, aber Mitarbeiter, Kollegen und Chefs merken, ob Du Fassade zeigst oder den echten Menschen.

 

Ich hatte gerade eine SAP-Einführung erfolgreich bewältigt, da sagte ein Kollege zu mir, „Thomas, das hast Du richtig gut gemacht“ und ich fragte ihn, wie er das meint. „Du bist einer der wenigen, die ich kenne, die so authentisch sind und ihr Ding geradlinig durchziehen“. Wow, das ging runter wie Öl. Also sei wie Du bist und lass Dich nicht beirren, auch wenn es manchmal schwerfällt.
 

2. Motiviere Dein Team

 
Dein Team ist das wichtigste, was Du in einem Projekt hast. Mit einem unzufriedenen Team wirst Du nie ein Projekt zum Erfolg führen. Behandle es gut. Wie motiviert man ein Team, wirst Du vielleicht fragen? Diese Frage läßt sich in Summe nicht pauschal beantworten, aber es gibt ein paar Kernpunkte.
 
  • Mitarbeiter wollen eigenverantwortlich arbeiten, ermögliche es ihnen. 
  • Setze jeden Mitarbeiter entsprechend seiner Fähigkeiten ein.
  • Kümmere Dich um die Sorgen Deiner Mitarbeiter
 
Um diese drei Kernpunkte herum gibt es noch viele andere, so viele, dass ich hierzu in Kürze einen weiteren Artikel nur zu diesem Thema bringe. 
 

3. Schütze Dein Team

 
Ich hatte mal einen Chef, der mich ständig übersteuert hat, Mitarbeiter meines Projektes abzog oder zu anderen Dingen einsetzte, ohne mich darüber zu informieren. Irgendwann lief das Projekt aus dem Ruder, ich hatte mich einfach nicht getraut, meinen Chef in die Schranken zu weisen. Ich stand dann vor der Wahl: entweder erkläre ich das Projekt für gescheitert und bin damit auch Projektleiter nicht mehr zu gebrauchen oder ich mache meinem Chef klar, dass er damit aufhören muss.

 

Auch wenn es mir schwer gefallen ist habe ich meinen Chef um ein Gespräch gebeten und ihm die Situation geschildert. Wie sich dann gezeigt hat, war ihm das nicht bewusst, was sein Tun auslöst und dann sagte er mir noch, ich hätte doch früher kommen sollen. Seit damals werde ich in solchen Fällen bei den kleinsten Anzeichen aktiv und das solltest Du auch tun.
 

4. Triff Entscheidungen

 
Es gibt kaum etwas Schlimmeres als in einer Führungsposition keine Entscheidungen zu treffen. Und als Projektleiter bist Du in einer Führungsposition. Entscheidungen im Projekt sind fast immer auch schnelle Entscheidungen. Projektleiter, die erst Tage damit verbringen alle Eventualitäten abzuklopfen, bevor sie eine Entscheidung treffen werden nicht erfolgreich sein.

 

Gerade am Anfang Deiner Karriere als Projektleiter wirst Du sicherlich alles richtig machen wollen und deshalb auch viel Zeit darauf verwenden eine Entscheidung zu betreffen. Das ist verständlich und menschlich. Versuche trotzdem, Entscheidung schnell und situativ zu treffen. Hör Dir das Problem an, frage den, der das Problem an Dich heranträgt, was er vorschlagen würde und triff Deine Entscheidung. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich später vielleicht als nicht ganz richtig herausstellt. Je erfahrener Du in Deiner Position wirst, umso seltener wird das vorkommen. 
 
Besser eine nicht ganz richtige Entscheidung als keine Entscheidung
 

5. Mitigiere Risiken

 
Kenne die Risiken Deines Projektes und verhindere, dass sie eintreten. Verschaffe Dir zu Beginn Deines Projektes einen Überblick über die Risiken, die Deinem Projekt schaden können. Versuche dabei, so weit als möglich in die Zukunft zu schauen. Nimm also nicht nur aktuelle Risiken wahr, sondern stelle fest, was in Projektverlauf eintreten könnte. Klar, klingt ein bisschen wie Glaskugel schauen, ist es zum Teil auch. Bei Deinem ersten Projekt sicherlich mehr als bei Deinem Zehnten. Und je größer ein Projekt ist, umso schwieriger ist das natürlich auch. Bei größeren Projekten wirst Du ohne ein entsprechend umfangreiches Risikomanagement sowieso nicht auskommen. 
 
Das Thema Risikomanagement hat ganz viele Facetten, auch hierzu werde ich demnächst einen eigenen Artikel schreiben.
 

6. Behalte den Überblick

 
Du musst nicht im kleinsten Detail wissen, was in Deinem Projekt gerade läuft. Heißt, Du musst z.B. in einem Softwareentwicklungsprojekt nicht jede Zeile Code kennen. Du bist der Projektleiter, Du brauchst den Überblick. Du musst wissen und auch jederzeit darstellen können, wo Dein Projekt gerade steht. Welche Teilziele sind erreicht, welche kurz davor, wo gibt es Probleme, was hast Du getan, um sie zu beseitigen. 
 

7. Hab Dein Budget im Griff

 
Ich musste ein paar mal um weiteres Budget bitten und glaube mir, es ist kein angenehmes Gefühl, wenn Dich Dein Chef oder Auftraggeber fragt, warum Du mit Deinem Geld nicht klar kommst. Es gibt nur eine gute Begründung, warum Du mehr Budget brauchst: Es sind neue Anforderungen dazu gekommen. Nur dann wirst Du mit gutem Gewissen eine Budgeterhöhung beantragen können.
 
Achte auf Deine Zahlen, sie sind wichtig für Dich und Dein Projekt:
 
  • Wieviel Budget habe ich am Anfang
  • Wieviel ist bisher ausgegeben
  • Wieviel offene Bestellungen habe ich noch
  • Was muß noch beauftragt werden
  • Wieviel Budget bleibt zum Ende übrig
 
Du hast gut geplant, wenn Du am Ende des Projekts eine Punktlandung hingelegt hast.
 

8. Sei gut vernetzt

 
Dieser Punkt gilt natürlich nicht nur für Projektleiter. Gut vernetzt zu sein bedeutet ständiges Geben und Nehmen. Pflege Dein Netzwerk genauso wie Deine Mitarbeiter. Gib viel von Dir, dann wird Dir Dein Netzwerk viel zurückgeben. Und Du wirst in kritischen Situationen immer jemand haben, den Du um Hilfe bitten kannst.
 
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
 

9. Wisse was Du tust

 
Wie gut Du Dein Handwerkszeug beherrschst ist mit entscheidend dafür, wie gut Du als Projektleiter bist. Stell Dir vor, jemand soll kochen und kann Töpfe und Pfannen nicht unterscheiden – geht gar nicht, oder? Und so ist es auch im Projektmanagement.
 
Du solltest also wissen, was Risikomanagement, Ressourcenmanagement, Projektcontrolling etc. sind und Du solltest sie anwenden können. Diese Themen sind unabhängig von der eingesetzten Projektmanagementmethode. 
 
Die Projektmanagementmethode ist der zweite Teil Deines Handwerkszeugs. Klassisches Phasenmodell, Scrum, Kanban und die Mischformen, die es gibt solltest Du natürlich auch beherrschen.
 
Auch auf die Themen des Handwerkszeugs werde ich in den folgenden Wochen und Monaten noch detaillierter eingehen.
 

10. Sei fachlich qualifiziert

 
Es soll Projekte geben, bei denen es keine Rolle spielt, ob Du weißt, was sich fachlich in einem Projekt abspielt. Aber ganz ehrlich, ich habe keines kennengelernt in den vielen Jahren, die ich Projekte leite. Wie oben schon gesagt, Du musst nicht jede Zeile Code kennen oder selbst schreiben können. Du musst so viel wissen, dass Du auch fachliche Fragen Deiner Mitarbeiter beantworten kannst. Und Du musst soviel wissen, dass Du fachbezogene Fragen des Lenkungsausschusses oder anderer Gremien beantworten kannst.
 
Je mehr Erfahrung Du hast, umso einfacher wird es für Dich einzuschätzen, wieviel Fachwissen ausreichend ist. 
 
Wenn Du Fragen zu einem der Punkte hast, Ergänzungen, Hinweise oder was auch immer, dann hinterlasse einen Kommentar. Ich beantworte jeden – versprochen. 

 

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