Im letzten Artikel „So motivierst Du Dein Team“ hast Du schon ausführlich über das erste Kernelement des PMC – die Motivation – gelesen. Heute beschäftigen wir uns mit den beiden anderen Elementen, der Kommunikation und Deiner Authentizität.

 

Was heißt denn jetzt Kommunikation?

 

Der Duden sagt dazu: „Verständigung untereinander; zwischenmenschlicher Verkehr besonders mithilfe von Sprache, Zeichen“. Naja, reden deshalb so viele Menschen Händen, weil sie die Erklärung des Dudens gelesen haben? 

 

Weitaus besser gefällt mir die Erläuterung, die sich bei Wikipedia findet: „Kommunikation ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen. Information ist in diesem Zusammenhang eine zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnis, Erfahrung und Empathie“. Aha, wenn wir miteinander kommunizieren übertragen wir jede Menge an Information und das nicht nur mittels Sprache oder Zeichen, sondern ganz viel auf der non-verbalen Ebene. 

 

Vieles davon läuft auch auf der unbewussten Schiene ab, wie Du sicherlich selbst schon festgestellt hast. Kleines Beispiel: Du triffst jemanden zum ersten Mal und bereits die ersten Sekunden und die ersten Worte entscheiden oft über sympathisch oder unsympathisch. 

 

Kommunikation als Projektleiter 

 

Als Projektleiter wirst Du ständig kommunizieren. Du kommst morgens ins Büro und Dein Chef fragt, wie es im Projekt so läuft. Deine Mitarbeiter wollen wissen, was der Chef gesagt hat. Der Lenkungsausschuss will berichtet haben, wo das Projekt steht. Ein Projektleiterkollege fragt Dich um Rat. Ein Mitarbeiter hat ein Problem und will mit reden.

 

Du siehst, jede Menge Platz für Kommunikation. Stell Dich also darauf. Ich gebe zu, es ist nicht einfach. Selbst wenn Du über Dein Projekt inhaltlich jedem dasselbe erzählst musst Du es für jeden anders verpacken. Hier ist Dein Fingerspitzengefühl, Deine Empathie gefragt, was Du wem wie berichtest. Dazu gibt es übrigens jede Menge guter Kurse, falls Du da Bedarf hast. Ich nenne Dir auch gerne welche, wenn du mich fragst.

 

Tue Gutes und berichte darüber oder wer richtig kommuniziert hat mehr vom Leben (und vom Projekt)

 

Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Du immer nur Gutes berichten und das negative unter den Teppich kehren sollst. Mitnichten. Selbstverständlich musst Du sowohl das eine wie das andere berichten. Oft wird aber das vergessen, das Gute zu erzählen. Mein Plädoyer deshalb an Dich, wenn etwas gut funktioniert hat, dann berichte darüber. Zum einen stärkt es Dein Projekt, zum anderen gibt es immer mindestens einen, der das für sich mitnimmt und daraus lernt. Und das ist doch eine tolle Sache, oder?

 

Bin ich authentisch und will ich das überhaupt sein?

 

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman haben vier Kriterien beschrieben, die einen Menschen authentisch wirken lassen. Wenn Du so bist, bist Du authentisch:
 
  • Bewusstsein – Du kennst Deine Stärken und Schwächen und bist in der Lage Deine Motive für Dein Verhalten zu reflektieren.
  • Ehrlichkeit – gegenüber Anderen und Dir selbst. Du kannst auch unangenehmes Feedback entgegen nehmen und verarbeiten.

  • Konsequenz – Du handelst nach Deinen Werten, auch wenn es Dir Nachteile einbringen könnte.

  • Aufrichtigkeit – Du bist bereit, Deine negativen Seiten zu akzeptieren und an der Verbesserung zu arbeiten.
 
Ich möchte das noch ergänzen: Du kannst es nicht jedem recht machen, also lass es. Sei wie Du bist und mach Dein Ding.
Und triff Deine Entscheidungen, auch wenn Du irgendjemand damit auf die Füße trittst.
 
Und zur Frage, will ich das überhaupt sein? Ja, klar willst Du das. Du wirst sicherlich des Öfteren anecken, Du wirst sicherlich nicht von jedem gemocht, aber von denen, auf die es ankommt, ganz sicher.

 

Wie hilft mir das im Projekt?

 

Wer authentisch ist, ist auch eine starke Persönlichkeit. Meiner Meinung nach geht das eine nicht ohne das andere. Weil Du immer mal wieder aneckst und Nachteile einstecken musst. Das musst Du aushalten. Und das geht nur als starke und sichere Persönlichkeit.

 

Im Projekt hilft es Dir an unterschiedlichen Stellen.

 

  • Deine Mitarbeiter wissen, dass sie sich auf Dich verlassen können und dass Du sie nicht im Regen stehen lässt, wenn etwas schiefgegangen ist. Zu oft habe ich erlebt, dass ein Projektleiter Fehler auf seine Mitarbeiter schiebt, anstatt selbst dafür gerade zu stehen. Ein solches Verhalten ist einfach Mist.
  • Dein Lenkungsausschuß weiß, dass Du Entscheidungen triffst und diese auch durchsetzt. Auch wenn es die meisten Führungskräfte ungern zugeben ist es genau das, was sie von einem Projektleiter erwarten.
  • Du bist dadurch auch in der Lage, kritische Situation zu meistern. Das gefällt eigentlich allen.

 

Authentizität hilft Dir, Dein Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Und es hilft Dir auch, dabei entspannt zu bleiben. Du musst Dir nicht ständig überlegen, wie Du worauf reagieren sollst, denn das kommt aus Dir selbst, aus Deinem Inneren.

 

Kann ich lernen authentisch zu sein?

 

Wenn Du es wirklich willst, dann kannst Du es lernen. Niemand wird authentisch geboren, aber viele werden schon in früher Jugend davon abgehalten, es zu sein bzw. zu werden. Vielleicht kennst Du auch die Sätze „Tue das nicht, das gehört sich nicht“ oder „Mach das bloß nicht, was sollen denn die Nachbarn/Bekannten/Onkel/Tanten etc. denken“. Solche Sätze halten Dich davon ab, authentisch zu werden uns zu sein. Du wirst dann immer erst überlegen, was andere über Dein Tun denken.
Vier Tips mit denen Du authentisch werden kannst:

 

  • Nimm Dir ein Blatt Papier und notiere darauf die Werte, die Dir wichtig sind. Hänge Dir das Blatt so auf, dass Du es mindestens einmal am Tag vor Augen hast. Besinne Dich bei allem, was Du tust auf diese Werte.
  • Nimm Dir ein zweites Blatt und ziehe eine Linie in der Mitte. Schreibe dann links Deine Stärken und rechts Deine Schwächen auf. Nun arbeite daran, Deine Stärken noch stärker zu machen und Deine Schwächen entweder in Stärken umzuwandeln oder zu akzeptieren.
  • Setz Dich am Abend hin und lass den Tag Revue passieren. Frage Dich, ob Du nach Deinen Werten gehandelt hast. Wenn nicht, wirst Du daraus für das nächste mal Lernen. Sei dabei absolut ehrlich zu Dir.
  • Wenn in deinem Projekt etwas schief gegangen oder nicht so gelaufen ist, wie es sollte – übernimm die Verantwortung dafür. Und überlege Dir, wie Du diese Situation beim nächsten Mal vermeiden kannst.
Das Wichtigste auf Deinem Weg sind Deine Werte. 

Fazit

 

Wir haben nun in diesem und dem letzten Artikel die drei Charakteristika kennengelernt, die Dich als Projektleiter und Persönlichkeit ausmachen. Diese drei Elemente machen bilden den Kern Deiner Projektleiterpersönlichkeit aus.

Alles, was jetzt noch kommt ist Handwerkszeug. In den nächsten Artikeln beschäftigen wir uns mit den Grundlagen: Projektziele, Planung des Projektes, Projektvereinbarung, Budget, Management von Änderungen (Changes) und Reporting.

 

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